02.10.2009
“7,2 Millionen verlorene Jobs”
Bereits den 21. Monat in Folge führt die Finanz- und Wirtschaftskrise zu einem drastischen Stellenabbau in den USA! Im September 2009 lag die Anzahl des vom Bureau of Labor Statistics (BLS) gemeldeten Stellenabbaus bei saisonbereinigte -263'000 Jobs! Insgesamt kumuliert sich der Stellenabbau auf gewaltige -7,205 Millionen verlorene Jobs seit Januar 2008! Dies ist der längste und größte Einbruch am Arbeitsmarkt seit Beginn der Datenerhebung durch das BLS im Jahre 1939!
> Im Chart der Stellenaufbau/abbau seit Januar 1985. Die Non-Farm Payroll Employments messen die Anzahl der Stellen in mehr als 500 Wirtschaftszweigen der USA, ausgenommen ist die Landwirtschaft. <Der Stellenabbau beschreibt das Problem sogar unzureichend, denn eigentlich müssten monatlich ca. 130'000 neue Stellen geschaffen werden, um das Beschäftigungsniveau in der aktuellen Relation zur Struktur und Entwicklung der Bevölkerung konstant zu halten. Selbst im Jahr 2007 lag bereits der Durchschnitt der neu geschaffenen Stellen unter 130'000 im Monat!
Die Daten zum Stellenaufbau/abbau (Establishment Data) über alle Teilbereiche außer der Landwirtschaft werden bei den Unternehmen direkt von der BLS abgefragt. Die Daten zur Beschäftigung der abgefragten Unternehmen reflektieren ein Drittel der lohnabhängigen Beschäftigten.
Die Arbeitslosenquote U-3 stieg im September auf 9,8%, nach 9,7% im Vormonat und 6,2% im Vorjahresmonat auf den höchsten Stand seit Juni 1983, damals mit einer Arbeitslosenquote von 10,1%! Hinter der aktuellen Arbeitslosenquote von 9,8% verbergen sich saisonbereinigte (seasonal adjusted, SA) 15,142 Millionen offiziell registrierte Arbeitslose, ein Anstieg von +214'000 zum Vormonat und von +5,55 Millionen zum Vorjahresmonat!
> Die US-Arbeitslosenquote U-3 im Chart seit 1948. <
> Die 15,142 Millionen Arbeitnehmer ohne Job markieren ein neues Allzeithoch, seit Beginn der Datenerhebungen im Jahr 1939! Der Langfristchart seit 1948! <
> Ebenfalls ein neues Allzeithoch markiert die Zahl der Langzeitarbeitslosen, mit 5,438 Millionen, die länger als 27 Wochen keinen Job haben! Ein brutaler Anstieg von +166,4% zum Vorjahresmonat bzw. um +3,397 Millionen! <
> Im Vergleich zu den anderen Zeitschienen der Arbeitslosigkeit, findet der Anstieg besonders bei den Langzeitarbeitslosen statt, die länger als 27 Wochen keinen Job haben! <
Die folgenden Daten zu den Erwerbsfähigen, dem Stand der Beschäftigung, den Arbeitslosen, der Arbeitslosenquote, sowie die Zahl der Nichterwerbsfähigen (Household Data), werden an Hand einer Umfrage des Census Bureaus bei 60'000 Haushalten für das Bureau of Labor Statistics (BLS) ermittelt!
> Die Anzahl der Beschäftigten sank im September laut den Household Data um kräftige -785'000 und damit wesentlich stärker als man aus den Establishment Data zum Stellenabbau vermuten würde! <
Das die stark sinkende Anzahl der Beschäftigten nur mit einem Anstieg der Arbeitslosenquote von +0,1% zum Vormonat zu Buche schlägt, erklärt sich wie folgt. Die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte (Civilian Labor Force) waren im September rasant auf 154,006 Millionen gefallen! Gewaltige -571'000 Arbeitskräfte sind angeblich dem Arbeitsmarkt abhanden gekommen. Die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte sind mehr als relevant, denn sie sind die Bezugsgröße von der zusammen mit der Anzahl der Arbeitslosen, die Arbeitslosenquote ermittelt wird. Sinkt die Anzahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräfte, wirkt sich dies unmittelbar positiv auf die ermittelte Arbeitslosenquote.
Noch fragwürdiger, intransparent und manipulativ ist der hohe Anstieg im September von +807'000 an Arbeitskräften die dem Arbeitsmarkt (Not in Labor Force) angeblich nicht mehr zur Verfügung standen! Je schlechter die Wirtschaftlage um so weniger Arbeitskräfte stehen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, ein weiterer Statistik-Witz! Nicht für den Arbeitsmarkt zur Verfügung und damit für die Ermittlung der offiziellen Arbeitslosenquote nicht relevant, waren im September insgesamt saisonbereinigte 82,316 Millionen erwachsene Personen!
> 82,316 Millionen Erwachsene, die dem Arbeitsmarkt angeblich nicht mehr zur Verfügung stehen. Ein Anstieg zum Vormonat um kräftige 807'000 und selbst im kumulierten breiten Zeitraum der letzten 12 Monate sind dies 2,577 Millionen, der zweithöchste Anstieg im September 2009 (kumuliert), seit Beginn dieser Datenerfassung im Jahr 1975! <
> Noch deutlicher macht es dieser Chart seit 1948. Er zeigt das Verhältnis der Beschäftigten zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter. Im September sank das Verhältnis auf 58,8%, auf den Stand von Januar 1984! Der Durchschnitt des Ratios zwischen dem Jahr 2000 bis 2008 lag bei 62,93%! <
Die Anzahl der Beschäftigten (138,864 Mio.) in der Relation zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter ab 16 Jahre (236,322 Millionen aus: Civilian Labor Force+Not in Labour Force) sank also auf nur noch 58,8%. Zur Gesamtbevölkerung (307,614 Mio.) betrug das Verhältnis sogar nur 45,1%!
In der breiter gefassten Arbeitslosenquote U-6 erscheinen zusätzlich die Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einen Vollzeitarbeitsplatz suchen (9,179 Millionen, saisonbereinigt), die marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer (2,219 Millionen, nicht saisonbereinigt) und die sogenannten entmutigten Arbeitnehmer (Discouraged Workers, 706'000, nicht saisonbereinigt), welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten.
> Auch die saisonbereinigten Arbeitnehmer in Teilzeit, welche aber einenVollzeitarbeitsplatz suchen, stiegen im September um +103'000 auf 9,179 Millionen und damit auf ein neues Allzeithoch! Ein Anstieg von +45,9% bzw. um +2,887 Millionen zum Vorjahresmonat! Im Chart die Daten seit Januar 1978. <
> Die nicht saisonbereinigte Anzahl der marginal und geringfügig beschäftigten Arbeitnehmer sank um -51'000 auf 2,219 Millionen. Die Daten seit Beginn der Erhebungen im Jahr 1994. <
> Die Anzahl der nicht saisonbereinigten, sogenannten entmutigten Arbeitnehmer, welche nicht nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz im 1-Monats-Erhebungszeitraum suchten, sank um -49'000 auf 706'000. <
Die saisonbereinigten Daten dieser Gruppen zusammen mit den Arbeitslosen aus U-3 ergeben die Quote U-6:
> Zum Vergrößern bitte die Tabelle anklicken. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote U-6 stieg im September auf 17,0% (siehe Tabelle rechts unten), nach 16,8% im Vormonat und 11,2% im Vorjahresmonat! Quelle: PDF BLS Tabelle Seite 20 <
> Die Entwicklung der US-Arbeitslosenquote U-6 seit Januar 1994, dem Beginn der Datenerhebung. <
Die Zahl der breiter gefassten Arbeitslosen nach U-6 stellt sich im Detail nach den komplett verfügbaren nicht saisonbereinigten Daten wie folgt dar:
U-3 (NSA) 14,538 Mio.
Part Time for Economic Reasons (NSA) 8,255 Mio.
Marginally Attached to Labor Force (NSA) 2,219 Mio.
Discouraged Workers (NSA) 0,706 Mio.
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Die gesamten nicht saisonbereinigten (NSA) Arbeitslosen und Erwerbsfähigen ohne adäquaten Job, betrugen 25,718 Millionen im September!
Aber auch diese miesen Arbeitslosenzahlen sind geschönt, denn die entmutigten Arbeitnehmer, welche auf Grund fehlender Jobs aufgegeben haben und seit einem Jahr nicht mehr nachgewiesener Weise einen Arbeitsplatz suchen, entfallen seit der Clinton-Ära komplett auch aus der Arbeitslosenstatistik U-6!
John Williams von Shadow Government Statistics (SGS) bereinigt die heutigen Arbeitslosenzahlen U-6 um die offiziell vorgenommenen statistischen Veränderungen bei der Datenerhebung der entmutigten Arbeitnehmer! Unfassbare 21,4% bzw. 32,9 Millionen Erwerbslose, so das Ergebnis von Williams im September!
> Rot, die offizielle Statistik U-3, grün, Level U-6 mit entmutigte Arbeitnehmern, blau, die alternative Berechnung von SGS! Quelle Chart: Shadowstats.com <Monat für Monat werden laut offiziellem Arbeitsmarktbericht neue Tiefs bei den Industriearbeitsplätzen markiert! Nur noch saisonbereinigte 11,719 Millionen Arbeitsplätze bestehen in der Industrie im September 2009, ein Minus von weiteren -51'000 im Vergleich zum Vormonat. Dies entspricht einem Anteil der Industriearbeitsplätze von nur noch 7,6% an allen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Arbeitskräften in Höhe von 154,066 Millionen! Der permanente Abbau an Jobs aus der industriellen Wertschöpfung ist Zeichen einer selbstzerstörerischen Deindustriealisierung!
> Mit der Anzahl der Industriejobs geht es seit dem Jahr 2000 stetig bergab! Im September 2009 waren nur noch saisonbereinigte 11,719 Millionen Arbeitnehmer im verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing) beschäftigt. Die Anzahl der Industriejobs ist auf dem tiefsten Stand seit April 1941! <
> Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der Production Workers im Chart seit 1964 bis September 2009. Ein Allzeittief seit 45 Jahren mit einer Wochenarbeitzeit von nur noch 33,0 Stunden. <
> Im September gingen weitere -64'000 Stellen in der Bauwirtschaft verloren. 6,038 Millionen Beschäftige sind noch am Bau. Seit dem Beschäftigungshoch im Januar 2007 mit 7,737 Mio. Jobs sind -1,699 Mio. Stellen verloren gegangen! < Das Bureau of Labor Statistics hat auch weiter die nicht saisonbereinigten Arbeitsmarktdaten mit Hilfe des Net Birth/Death Model geschönt! Das Net Birth/Death Model schätzt die neugegründeten Firmen und deren Beschäftigungszahlen. Unlogischerweise gehen die Statistiker davon aus, dass viele neue Unternehmen entstehen, je mehr alte liquidiert werden. Eine lächerliche Annahme in einem so dramatischen Konjunkturabschwung! Die dazu gedichteten Stellen auf Grund dieser statistischen Annahme betrugen im September 2009 moderate 34'000, nach 118'000 im August! Das Net Birth/Death Model fließt in den nicht saisonbereinigten Stellenaufbau/abbau mit ein.
> Die Statistikverbieger von der BLS vermuten im größten wirtschaftlichen Abschwung aller Zeiten in den ersten 9 Monaten 2009 gewaltige kumulierte +707'000 neue Jobs in neu geründeten Unternehmen! <
Der US-Arbeitsmarkt ist ein einziges Desaster, dies wird selbst an den offiziellen Daten und den entsprechenden Charts deutlich sichtbar, auch in Anbetracht von einigem Restpotential an Schönfärbung. Ein Aufschwung ohne Jobs und Einkommen ist eine Illusion. Die USA ist weiter mitten in der Finanzkrise, da die Kreditausfälle weiter steigen werden und sie ist weiter in der Wirtschaftskrise, da die schwache wirtschaftliche Erholung vom Arbeitsmarkt nicht mitgetragen wurde und alles nur durch Unsummen an Steuergeldern bzw. staatlicher Neuverschuldung und der Notenbankpresse erkauft wurde.
> In Punkto drohende Kreditausfälle bei den US-Banken und den notwendigen Eigenkapitalanforderungen daraus, erinnern wir uns an den Stresstest bei den 19 größten Banken, Ende April 2009. Damals ging man bei der Simulation beim Basis-Szenario von einer Arbeitslosenquote von nur 8,4% aus, selbst das Negativ-Szenario belief sich für 2009 auf nur 8,9%! <Quellen Daten: PDF US-Arbeitsmarktbericht September 2009, Stlouisfed.org, Bls.gov/data
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