Während in einigen asiatischen Industrienationen, allen voran in China, die Industrieproduktion im August 2009 sogar mit einer Rate von
+12,3% im Vergleich zum Vorjahresmonat anstieg (Singapore ebenfalls
+12,3%, Indien
+6,8% und Südkorea
+1,1%), geht es in Großbritannien mit ungebremster Dynamik weiter abwärts. Im August 2009 fällt der Output der Industrie in UK auf den tiefsten Stand seit September 1987!!!
> Der breit gefasste Total Production Industries Index fällt auf 85,9 Indexpunkte um kräftige -2,5% zum Vormonat und um -11,2% zum Vorjahresmonat! Das Hoch beim Output der Industrieproduktion wurde im November 2000 mit 104,8 Indexpunkten markiert, ein Einbruch seit dem von -18%. Selbst 2007 wurde das Hoch aus dem Jahr 2000 nicht mehr erreicht. Der Langfristchart seit Januar 1968. <
Großbritannien ist eine klassische Bubbleökonomie, getragen vom Finanzsektor, einer unglaublichen Kreditausweitung und den daraus entstandenen Vermögenswertblasen, vor allem am Immobilienmarkt. Industrielle Wertschöpfung ist seit langem auf dem Rückzug. Noch deutlicher als am breiten Industrieproduktionsindex wird dies an den Beschäftigungszahlen im verarbeitenden Gewerbe (Manufacturing) sichtbar.
> Die Jobs im verarbeitenden Gewerbe sind seit Beginn der monatlichen Datenerhebung im Januar 1985 fast ununterbrochen im Sturzflug. Nur noch 2,634 Millionen arbeiten im verarbeitenden Gewerbe im Juli 2009. <
Im Gegensatz dazu arbeiten immer noch 6,4 Millionen im künstlich aufgeblähten Finanzsektor (Finance & Business Services). Die Arbeitslosenquote erklomm mit 7,9% den höchsten Stand seit April 1995, mit aktuell 2,47 Millionen offiziell registrierten Arbeitslosen. Aber auch in UK sind diese Zahlen geschönt, ein wenig mehr Wahrheit findet sich unter der Rubrik Economically inactive! Dort befinden sich 7,986 Millionen ohne Job bzw. 21,1% aller Arbeitsfähigen zwischen 16 und 64 Jahren. „Nur“ 5% bzw. 1,607 Millionen suchen aber angeblich aktiv einen Job (Claimant count)!
Vormals getragen von den neoliberalen Vodoo-Ökonomen (Spekulation statt Produktion) lag nun nach dem Platzen der britischen Immobilienblase und dem Platzen der Kreditexzesse der deregulierten UK-Banken, die Rettung aus den entstandenen Verwerfungen beim Staat. Wie auch in den USA wurden und werden exorbitante Summen von Staat und Zentralbank in das britische Finanzsystem gepumpt und damit wurde vorerst das Überleben der britischen Banken gesichert. Das Kredit- und Bankenrettungsprogramm hat eine maximale Exposition von bis zu
1,4 Billionen Pfund (2,3 Billionen Dollar). Die Bank of England versucht das Bankensystem zusätzlich mit einem historisch niedrigen Leitzinssatz von nur 0,5% zu unterstützen.
Auch diese staatlichen Summen haben bisher nur zur maximalen Fehlallokation geführt, der realwirtschaftliche Effekt dieser Aktionen ist bei NULL, die sogenannten Green Shoots haben nicht stattgefunden. Das britische Pfund, wie auch der Dollar werden weiter abschmieren und zusammen mit den Bergen an Kreditschrott in den Bilanzen der Banken den sicheren Weg in ein Desaster ebnen, es ist alles nur eine Frage der Zeit. Ohne Wertschöpfung, Jobs und Einkommen sind die britischen Kreditpyramiden nicht bedienbar!
Die Schulden der privaten Haushalte sind mit am höchsten in der Welt, sie liegen bei 132% der Einkommen! Gewaltige 1,457 Billionen Pfund an privaten Hypotheken und Konsumentenschulden stehen zum Zinsdienst und theoretisch auch irgendwann zur Tilgung an! Da sieht die Staatsverschuldung im August 2009 mit 57,5% des BIPs bzw. 804,8 Mrd. GBP (632,8 Mrd. GBP August 2008) sogar noch vergleichsweise moderat aus.
Ganz im Gegensatz zu den harten Wirtschaftsdaten zeigen auch in UK die Stimmungs- und Erwartungsindikatoren viel Positives an, so auch der Index des Verbrauchervertrauens:
> Das Verbrauchervertrauen in Großbritannien mit 71 Indexpunkten auf dem höchsten Stand seit April 2008! <
Die Beurteilung der aktuellen Lage (Present Situation Index) durch die Verbraucher ist weiter schwach, der Subindex dümpelt mit 19 Indexpunkten im September 2009 nahe der Tiefs (markiert mit 16 Punkten im Juli 2009) herum!
Die Erwartungshaltung der Verbraucher geht allerdings fast so ab wie der Goldpreis. Der Expectation Subindex steigt auf den höchsten Stand seit Dezember 2005! Nur die Substanz dieser optimistischen Erwartungen ist wesentlich fragwürdiger:
> Die Erwartungskomponente steigt im September 2009 auf 102 Indexpunkte, nach dem Tief im September 2008 mit 53 Punkten. Quelle Daten: Nationwide.co.uk/consumer confidence data <
Die Stimmungs- und Erwartungsindizes spiegeln wenig die Realität wider. Sie sind Werkzeug einer positivistischen Wirtschaftsberichterstattungs-Propaganda, die ausschließlich auf das Wunschdenken der Befragten und vor allem der Statistikerheber basieren!
Quelle Daten: Statistics.gov.uk
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